Ein Bein - eine Prothese und vier Pfoten

... wie vier Colliepfoten eine Oberschenkelamputierte auf Trapp halten
oder
... wo steht eigentlich geschrieben, dass Menschen mit Behinderung keine Hunde halten können?

Zigarettenpause geht nur mit stehen bleiben - macht nix

Nun ... wie und wo soll ich anfangen. Oh ja, am besten da wie ich Mekky kennen gelernt habe. Vor nun 5 Jahren hatte meine Schwester mir am Telefon gesagt, Sie habe einen Collie-Welpen. Als meine Sohn das hörte, wollte er unbedingt den Welpen sehen. Also sind wir zu Ihr gefahren. Der kleine Kerl war ein munterer, kleiner, frecher Collie. So wie Welpen sein sollen. Wir sind dann öfters zu meiner Schwester gefahren. An einem Tag dann war auch Mekky Jeppel dort, wir haben uns wunderbar verstanden. Wie Sie dann mal mitbekommen hat, dass mein Sohn auch gerne einen Hund, sprich Collie, haben möchte und ich natürlich auch, hat Sie mir von "Angel" erzählt.

Angel, eine Collie-Hündin, war ein ehemaliger Welpe von Mekky, sie war bei einer sehr lieben Familie, jedoch war der Sohn sehr schwer erkrankt und deswegen suchten sie eine Familie welche Angel einen guten Platz bieten konnte. Über Mekky habe ich dann Kontakt zu der Familie bekommen. Dann, einige Tage später, sind wir zu der Familie gefahren. Ich habe sofort gesehen wie schwer es für die Leute war, der kleine Sohn war sehr traurig. Wir haben uns lange unterhalten und die Leute sahen, wie mein Sohn und Angel aufeinander reagierten. Die beiden mochten sich sehr. So haben wir unsere Angel bekommen.

So fing die Freundschaft zwischen Mekky und mir an. Sie ist bis heute zu einer sehr engen Freundschaft gewachsen.

Angel lebte sich sehr gut bei uns ein. Sie war ein Sonnenschein. Mein Sohn verlor nach und nach das heftige Stottern, er wurde
ruhiger. Ich war zu der Zeit schon krank gewesen, das linke Bein von mir war sehr entzündet. Aber nicht desto Trotz, ich habe lange
Spaziergänge mit Angel geliebt. Die Leute waren immer wieder erstaunt, wie toll Angel bei mir lief, da ja alle von meiner Erkrankung wussten.

Bevor Angel zu uns kam war ich schon einige Jahre krank, mein linkes Knie hatte eine Entzündung durch einen Insektenstich, welche sich seit Jahren verschlimmerte, bedingt durch eine Knie-TEP (künstliches Kniegelenk, mit Metall-Anteil) wirkte kein Antibiotika mehr bei mir. So wurde dann ca. 2 Jahre bevor Angel zu uns kam die TEP entfernt. Die seelische und körperlich Verfassung von mir nahm immer weiter ab, es waren schon über 60 OP's welche ich ertragen hatte. Die Schmerzen waren Bestandteil meines Lebens geworden.

Mein Sohn hatte auch sehr darunter gelitten.

Es hatte sich dann bei mir mit der Zeit eine chronische Osteomyelitis entwickelt, dass ist eine Knochenmarksvereiterung. Die Erreger sind auch schon im Blut nach zu weisen gewesen. Doch durch Angel habe ich einen Schwung nach oben erhalten, ich ging wieder mehr nach draussen, die Leute haben es bewundert wie ein Hund doch den Lebensgeist erwecken kann. Sie sahen aber auch, dass mein Sohn ein anderer wurde, er war umgänglicher. Das Bein wurde durch eine Orthese (Beinschiene) stabilisiert, da es ja eigentlich nur an mir baumelte. Ich konnte nur mich mit dem anderen Bein und den Gehhilfen bewegen. Es war eine sehr schwere Zeit für uns. Doch Angel schaffte es, dass ich wieder lachen konnte.

Dann an einem Tag, mein Sohn war bei Oma und Opa, wollte ich mit Angel in Richtung Felder laufen, wir trafen dort ja immer Ihre Freunde. Also wir wollten an der Seite von unserem Haus vorbei, doch Angel hat sich geweigert, stellte sich vor mich, wollte in die andere Richtung ums Haus. Na ja, ich bin also anders herum mit Ihr, auf dem Rückweg war es das gleiche. Sie wollte einfach nicht. In der Wohnung war Sie dann sehr unruhig, richtig nervös. Ging immer wieder zur Tür, kam zu mir und ging wieder zur Tür.
Ich bin dann also raus zur Tür, mein Gott, es brannte irgendwo im Haus. Ich habe die Feuerwehr gerufen und überall bei den Nachbarn
geschellt, damit die aus dem Haus gingen.
Später dann, es war gelöscht, da kamen die von der Feuerwehr und Polizei zu mir, haben gefragt wie ich den Brand bemerkt habe. Ich habe Ihnen gesagt, dass es Angel war. Sie fanden das wirklich toll. Ich natürlich auch ... Ihr könnt Euch vorstellen, wie stolz ich auf meine Maus war.

Dann, einige Wochen nach dem Brand, wir hatten uns mit einigen Anderen zum Spazieren verabredet, standen wir an der Strasse und wollten darauf rüber gehen zu können. Da ist die Leine am Karabiner, am Halsband gerissen. Angel hörte Kinder schreien, Sie rannte los. Ich rief und pfiff, doch sie reagierte nicht. Sie ist von einem Wagen erfasst und überrollt worden. Sie war sofort tot!
Das Geräusch höre ich noch heute manchmal. Diese Bilder kann ich nicht vergessen. Es war einfach nur schrecklich und grauenhaft. Angel, unsere Angel war nicht mehr da. Ich sehe Sie noch heute vor mir stehen. Wenn ich an Sie denke, und die Augen schließe, steht Sie da und schaut mich erwartungsvoll an. Fragt mich mit Ihren wunderschönen Augen: "Was machen wir jetzt?"
Durch Sie war mein Leben wieder schön geworden, ich konnte wieder lachen, Sie war meine Tür nach draußen gewesen.
Mein Sohn hat Seine Trauer in Wut versteckt. Seine Wut machte mir Angst. Ich fühlte mich so hilflos, wie sollte ich Ihm nur helfen? Er war doch schließlich erst 16. Aber ich konnte mir ja selbst nicht helfen zu diesem Zeitpunkt ... wir konnten uns gegenseitig nicht helfen und nicht trösten. Da war nichts mehr, nur noch eine tiefe Leere die nichts und niemand ausfüllen konnte.

Meine Trauer hat mich in ein Loch fallen lassen, ich hatte nicht die Kraft wieder aufzustehen. Wir sind beide in unserer Trauer ertrunken!

Ich hörte und sah den Unfall unserer Angel Nacht für Nacht für Nach für Nacht ...


Angel from the Wild Storm

Einige Wochen später kam ich dann ins Krankenhaus und es wurde mein linkes Bein am Oberschenkel amputiert.

Ich hatte damals auch körperlich immer mehr abgebaut. Nicht nur eine Seele trauert, auch ein "Körper" macht das. Meine Abwehrkräfte nahmen immer mehr ab und die Erreger aus meinem entzündeten Bein, haben eine Blutvergiftung hervor gerufen. Ich wurde wieder mal ins Krankenhaus eingeliefert. Zu der Zeit war ein Professor an das Krankenhaus gekommen, den ich von meiner Arbeit her gut kannte. Wir, na besser er, sagte, er wolle alles tun bei der OP die gemacht werden würde um mein Bein zu erhalten. Aber ich musste dort schon eine Einwilligung unterschreiben, dass, wenn es nötig ist, das Bein während der OP zu amputieren. Da mein Körper sehr geschwächt war, wollte er mir eine 2.OP ersparen. Es ist so als ob man sich selber aufgibt. Ich habe eingewilligt.

Ich weiß nicht mehr was an dem Tag vor der OP alles war, mir wurde gesagt, dass ich nur geweint habe. Ich weiß auch nicht was an dem Morgen der OP alles war. Es ist einfach nicht da in meiner Erinnerung. Durch die hohe Gabe des Morphium habe ich auch keine Erinnerung an die ersten Tage nach der Amputation.
Mekky hatte durch einen Anruf erfahren, dass mir das Bein amputiert wurde. Sie hatte sich auf den Weg gemacht zu mir ins Krankenhaus. Ich soll Ihr immer wieder meinen Stumpf gezeigt haben und gesagt haben, dass der doch gut aussieht. Ich weiß es nicht. Ich weiß einfach nicht mehr was in den ersten Tagen nach der Amputation alles gewesen war.
Mekky hat mir dann einige Tage später gesagt, dass mein Sohn sehr traurig war ... er hat geweint sagte Sie. Er stand an meinem Bett und hat geweint. Ich habe davon nichts mitbekommen.


Dann wurde ich immer klarer im Kopf. Mir wurde zum ersten mal bewusst: das Bein ist ab!

Ich habe vier lange Woche nach der Amputation im Krankenhaus gelegen. Ich habe um Angel in der Zeit sehr getrauert. Mekky hatte ja nach dem Unfall erfahren, dass Angel tot ist, Sie war genau so traurig wie mein Sohn und ich. Zudem kam dann aber der Wunsch, dass wir wieder einen Collie wollten. Trotz der Amputation, die mein ganzes Leben veränderte und mich sehr einschränkte, kam ich von der Sehnsucht nach einem Collie einfach nicht los.
Mekky hatte sich so Ihre Sorgen um uns gemacht, Sie ist eben meine beste Freundin geworden. Täglich hat sie mich im Krankenhaus angerufen.

Immer dann, wenn ich allein war, habe ich mir Vorwürfe gemacht. Vorwürfe meinen Sohn enttäuscht zu haben! Wie sollte es weiter gehen? Was sagen die anderen zu jemandem, dem ein Köperteil fehlt? Wie sieht mein Sohn mich jetzt? Bin ich noch so wie vorher? Wie wird unser Leben jetzt? Fragen über Fragen stürmten auf mich ein. Aber Antworten habe ich zu der Zeit nicht gefunden.

Man schaut an sich runter ... und es fehlt das Bein. Gegenüber anderen habe ich diese Zweifel nie gezeigt. Ich habe auch nicht drüber gesprochen. Ob das ein Fehler war? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich am Ende angelangt war.

Dann an einem Tag, mein Sohn war bei mir im Krankenhaus, haben wir uns angeschaut und haben geweint. Beide haben wir geweint! ... Uns fehlte Angel! Das Bein war ab! Beides Unwiderruflich, beides nicht mehr rückgängig zu machen, beides zum heulen.

Mein Sohn meinte zwischen seinen ganzen Tränen: Mama las uns wieder einen Collie haben, so wie Angel! ... warum er das wollte? Ich weiß es nicht. Ich habe ihn auch nie gefragt, ich weiß nicht warum nicht, aber ich habe es nie getan. Ich wollte Ihn doch nicht schon wieder enttäuschen und so sagte ich: Ja

Das wurde dann Mekky natürlich mitgeteilt. Wir wollten wieder einen Colliehaben. Es waren so einige Anrufe zwischen Mekky und mir bis sie sagte sie wolle sich umhören. Dann, irgendwann in einem Gespräch sagte Sie mir, Sie könnte mir einen Collie-Rüden vermitteln. Alex.

Als ich aus dem Krankenhaus kam, sind wir am nächsten Tag zu Alex gefahren. Von der Besitzerin, welche auch gleichzeitig die Züchterin des Rüden war, ist uns dieser Rüder enorm und überschwänglich angepriesen worden. Ich habe mich mit meinem Sohn auch ohne Worte verstanden und er dachte das gleiche wie ich ... so haben wir also den Rüden mitgenommen. Er war in meinen Augen und den meines Sohnes, abgeschoben worden. Die Züchterin konnte es gar nicht erwarten, dass er endlich weg ging. Wir sollten noch erfahren warum.

Sehr schnell haben mein Sohn und ich gemerkt wie dieser Alex wirklich drauf war ... er war ein Fall für sich. Er sollte laut der Aussage der Züchterin ja sehr gehorsam sein. Das war leider nicht der Fall. Mein Sohn, er hatte schon so einiges an Kraft konnte den Rüden kaum halten. Sobald er andere Hunde sah, stand der in der Leine, und wollte seinen Gegenüber angreifen ... ohne Grund. Egal ob Rüde, Hündin ... sogar Hündinnen in der Standhitze. Normal fanden wir das nicht. Ich war ja noch immer mit Gehhilfen am Laufen, so sah ich zu, dass mein Sohn mit Ihm raus ging. Manchmal war es jedoch der Fall, dass ich mit Ihm alleine gehen musste. Eine unheimliche Belastung für mich. Wenn ich schon von Weitem einen anderen Hund sah, bin ich entweder anders rum oder wenn es nicht mehr möglich war, habe ich Alex an einem Baum oder Laterne festgemacht bis die Gefahr vorüber war. Keine sehr artgerechte Weise für einen Hund, aber mit meinen beiden Krücken blieb mir nichts anderes übrig. Der Rüde tat mir trotzdem unheimlich leid, weil ich es nicht riskieren konnte, dass er, wie normale Hunde dies halt tun, mit anderen Hunden spazieren gehen oder mit anderen Hunden spielen konnte. Diese Mitleid lies mich den Armen viel zu lange behalten. Aber irgendwann ging es nicht mehr.

Ich habe mich dann mit Mekky besprochen und wir waren uns einig, der Rüde musste von dem Züchter wieder zurück genommen werden. Es war für mich viel zu gefährlich mit solch einem Hund zu laufen. Und auch sonst konnte ich ihm nicht gerecht werden. Ich dachte, dass der Züchter sich Alex Problems annehmen wird. Der Züchter wollte das alles nicht mal so richtig glauben, und wollte zuerst von einer Rücknahme des Rüden nichts wissen. Na ja, ich hab dann aber ganz klar gesagt, dass ich möchte, dass Bodo wieder abgeholt wird, weil ich die Verantwortung nicht mehr übernehmen konnte.

So wurde er leider wieder abgeholt. Es war für Ihn und uns unheimlich traurig, doch es hatte keinen Sinn. Manchmal ist die "Vernunft" ein grausamer Ratgeber. Der Kopf sagt dies, das Herz was anderes ... aber ich musste den Kopf und die Vernunft siegen, und das Herz weinen lassen.

Später habe ich dann erfahren, dass der arme Kerl sehr schnell wieder weitervermittelt wurde und sich der Züchter nicht um das Verhaltens-Problem des Rüden gekümmert hat. Schade eigentlich. Ich hätte ja gerne ... aber so leid es mir tut ... es ging damals einfach nicht. Wenn ich noch zwei gesunde Beine gehabt hätte, und nicht mit zwei Krücken hätte rum laufen müssen, wäre alles anders gekommen ... aber so ... Ich hoffe für ihn, dass er einen wirklich einfühlsamen Menschen gefunden hat, der sich seiner und seines Problems angenommen hat, und ihm vielleicht doch noch ermöglicht hat ein normales "Hundeleben" zu führen!

Meiner Freundschaft mit Mekky tat dies aber keinen Abbruch. Wir blieben in Kontakt und sie wusste natürlich, dass der Wunsch nach einem Collie immer noch da war. Erst Angel, dann das Bein, dann die schwierige und nicht mehr tragbare Situation mit Alex ... es lief doch alles scheiße ... und ich hatte immer noch keinen Collie mit dem mein Sohn und ich wieder glücklich werden konnten.

Eines Tages erzählte Mekky dann bei einem Anruf, dass Ihre Hündin belegt worden sei. Als mein Sohn das hörte, wollte er direkt dahin, aber es dauerte ja noch bis der Wurf kam. So vergingen die Wochen und wir warteten. Der Wunsch nah einem Collie war ja immer noch präsent ... es musste nur der geeignete gefunden werden. Ein Welpe von Mekky wäre schon nicht schlecht, da konnte ich wenigstens von Anfang an sicher sein, dass Erziehung und Sozialisierung in den richtigen Bahnen läuft. Da konnte ich wenigstens sicher sein, dass ich einen "normalen" Collie bekommen würde, was für mich in meiner Situation, die beste Möglichkeit war, überhaupt wieder einen Collie haben zu können.
Es war dann Sommer 2003 als Mekky uns anrief, und auf eine Tasse Kaffee eingeladen hat. So schnell war mein Sohn schon lange nicht mehr mit den Hausaufgaben fertig gewesen. Welpen kucken zu Mekky ... wir waren beide unheimlich nervös und zappelig.

Wir setzten uns in den Zug und fuhren von Bocholt zu Mekky nach Wesel.

Obwohl es nur eine halbe Stunde Fahrt ist von Bocholt nach Wesel, ist mir doch so einiges durch den Kopf gegangen. Auf einmal war da wieder unsere Angel, sie schaute mich wieder an mit fragenden Augen, dann das Geräusch bei Ihren Unfall. Dann der Gedanke wie wird Mekky sich gegenüber mir verhalten? Ich war doch noch immer mit Gehhilfen unterwegs, da war noch
immer mein Gefühl der Verletzbarkeit, was sich vor einigen Wochen einstellte. Das Gefühl, dass ich dem Alex nicht gerecht werden konnte. Das ich versagt hatte, seit Angel gestorben ist!

Mein Sohn war ebenso tief in Gedanken versunken wie ich, aber an Seinen Augen konnte ich sehen es war die Vorfreude auf Mekky, Lady und die Welpen. Es war ein Lächeln in Seinen Augen. Das hat mir gesagt, ja doch ich habe es wohl richtig gemacht mit der Zusage zu dem Besuch bei Mekky. Wir sind dann also in Wesel raus aus dem Zug und schnell zum Bus gelaufen. Die Nummer von dem Bus wussten wir ja, doch nicht so genau wann denn die Haltestelle kommt wo wir raus müssen. Wir fragten den Busfahrer, der sagte uns, es sei die zweite Haltestelle. Also sind wir an der Haltestelle raus, da wir uns nicht in Wesel auskannten haben wir Leute gefragt wo die Strasse sei. Wir waren komplett falsch gewesen, also durften wir auf den nächsten Bus warten. Mein Sohn fragte mich dann, ob wir einen Welpen nehmen würden. Na ja, es war keine Frage, es klang eher wie ein Flehen. Ich wusste nicht so ganz wie ich Ihm das beantworten konnte. Wie soll man etwas sagen vor dem man doch eigentlich zurück schreckt? Auf jeden Fall habe ich versucht zu erklären, dass es einzig davon abhängt, ob da ein Welpe dabei sei, bei dem es bei mir funkt. Dann müsste natürlich auch Mekky damit einverstanden sein, da Sie entscheidet was für Ihre Welpen in Frage kommt oder auch nicht.
Der Bus kam und wir sind weiter gefahren. Dann hatten wir es endlich geschafft ... wir waren bei Mekky.

Lady begrüßte uns genauso herzlich wie Mekky. So was tut gut. Dann sahen wir die Welpen, drei aufgeregte knuddelige Collies. Es war ein blue-merle, Alonso, ein tricolor Rüde, Aladin und eine tricolor Hündin, Alia. Mein Gott ich hätte die drei drücken können ohne Ende. Alonso war etwas schüchtern, er versteckte sich bei Mekky. Sie sagte, dass Alonso bei Ihr bleibt, da er nicht weg möchte. Er ist bildhübsch ... dass ich das dachte hat Mekky mir wohl angesehen. Aladin, der ist ein sich präsentierender Welpe gewesen. Er stellte sich sofort in den Mittelpunkt. Alia, war die ausgeglichendste von allen. Sie war zwar sachte, doch genauso voller Temperament. In ihr habe ich Angel wieder gesehen.
Dass ich mir so meine Gedanken machte über die drei Wirbel hatte Mekky mir angesehen. Lady war die ganze Zeit neben mir. Sie hat wohl gemerkt, dass ich mir so meine Gedanken machte. Es war ein wirklich schöner Nachmittag geworden, ich war seit langer Zeit mal wieder zufrieden. Wir haben uns über so vieles unterhalten, es war für mich mal wieder alles normal.
Dann, es war mein Sohn der davon anfing, kam es zur Sprache, dass wir gerne einen Welpen haben würden. Tja, so wird man dann vom eigenen Sohn überrollt. Aber, ich wollte es ja auch, einen Welpen. Das Gespräch ging in die Tiefe. Nun, nach einiger Zeit, wir waren uns in allen Punkten überein gekommen, stellte sich die Frage welchen Welpen. Wenn ich es gekonnt hätte, ja dann hätte ich wohl Alia und Aladin genommen, doch dass konnte ich nicht. So kam ich dann zu meiner Alia. Da sie sich so verhielt wie Ihre Mutter habe ich Sie ausgesucht. Ich hätte heulen können vor Glück! Mekky würde sie uns geben!!! Mein Sohn ist stolz gewesen wie Oscar! Ich gebe es zu ich auch. Einige Zeit später sind wir dann noch mit den drei Welpen, Lady, Mekky und wir, zu einer Wiese gefahren. Es sah wunderschön aus, die Collies und mein Sohn beim Rennen im Feld, zumal es auch schon mal zu einer Rolle vorwärts kam. Von den Welpen natürlich ...


Alia from the Wild Storm als ganz kleines Baby

So gegen Abend haben wir uns auf den Weg nach Hause gemacht. Nein wir wurden nicht mit dem Auto gefahren, wir sind so wieder zurück wie wir gekommen sind. Da ich ja gesehen hatte, dass
unsere Alia an der Leine laufen konnte und auch das Auto fahren kein Problem war, habe ich es so fürs beste gehalten. Zudem Mekky ich ja gesehen hatte dass die Welpen sind schon mit allem möglichen vertraut sind. Also sind wir dann langsam in Richtung Bus los. In den Bus rein musste Alia natürlich gehoben werden, doch kaum drin stand sie wieder auf Ihren Pfoten. Mein Sohn wollte Sie zwar auf dem Schoß halten, doch ich habe ihm erklärt, dass es, wenn Sie mal ausgewachsen ist nicht mehr so schön ist einen Collie auf dem Schoß zu haben. Er hat es verstanden. So schaute Sie sich kurz um im Bus und da ist Sie schon los und wollte alle Insassen begrüßen. Einige fanden es zum Lachen schön, andere sahen das nicht so. Aber wir, wir fanden es toll. Die kleine Maus hatte es genauso toll gefunden. Es sah wirklich lustig aus wie sie durch den Bus marschierte, so als ob es nichts neues für sie sei. So richtig stolz. Am Bahnhof angekommen, haben wir uns mehr Zeit genommen, damit Sie sich noch mal lösen konnte. War anscheinend auch nötig. Langsam haben wir uns dann in Richtung Bahnsteig davon gemacht. Obwohl Züge durchfuhren, ist Sie nicht in Panik geraten. Ich war erleichtert, da es ja mit dem Zug jetzt weiter in Richtung ihrem neuen Zuhause ging. Der Zug, welcher zwischen Bocholt und Wesel fährt ist zum Glück nicht so lang, alles schön übersichtlich. Alia wurde also wieder rein gehoben und dann sollte Sie mit uns zum Platz laufen. Es tat sich bei mir schon der Verdacht auf, dass Sie nun doch etwas zurückhaltender sein würde. Doch da hatte ich wohl falsch gedacht. Sie wollte auch hier wieder alle begrüßen. Sie ist sogar in Richtung Zugführer los marschiert, der fand Alia einfach nur süß, er war nicht mal am Meckern, weil Sie einfach bei Ihm rein ist. Selbst wie der Zug dann fuhr war Alia nicht verängstigt. Ich war erleichtert, war Mekky dankbar für die Aufzucht, stolz war ich auf unsere Alia. In Bocholt sind wir dann mit dem Bus nach Hause gefahren. Am Bustreff mussten wir umsteigen, die Busfahrer in einer kleinen Stadt kennt man ja, die waren sofort hin und weg von Alia.

So haben wir also Alia nach Hause gebracht.

Zuhause angekommen haben wir mit Mekky telefoniert und berichtet wie die Fahrt war. Stolz haben wir Ihr erzählt was Alia doch für ein unerschrockener Collie-Welpe ist. Natürlich sind wir noch ein paar Mal mit Ihr Gassi gewesen an dem Tag, und da war es schon zu merken gewesen, wie sie einmal sein wird. Sehr aufmerksam und gelehrig.
Ich habe an dem Tag zu ersten Mal seit der Amputation nicht immer daran denken müssen, dass ich doch amputiert bin. Ich habe es an dem Tag ganz einfach vergessen. An dem Tag war ich endlich mal wieder zufrieden mit mir und meinem Leben. So habe ich also angefangen das Leben wieder mit offenen Augen zu sehen.


Alia from the Wild Storm - Ein (B)Engelchen auf vier Pfoten

Am nächsten Tag habe ich dann angefangen mit Alia zu arbeiten, spielen, schmusen. Ich bin sehr auf Sie eingegangen und Sie sehr auf mich. Damit haben wir einen sehr guten Start gehabt. So haben wir also alles zusammen gemacht, die ersten Wochen vergingen wie im Flug. Sie war sehr neugierig, wollte einfach alles erkunden. Immer hing Sie mit Ihrer Nase bei dem bei was ich gerade gemacht habe. Ich habe schnell gemerkt, dass Sie fürs Ball spielen viel übrig hatte. Also habe ich begonnen immer dann wenn Sie etwas richtig gemacht hatte mit Ihr und dem Ball zu spielen. Das fand Sie toll. So habe ich halt beim Grundgehorsam mit dem Ball mit Ihr gearbeitet. Bei jeder Kleinigkeit habe ich Sie mit dem Ballspiel belohnt. Sie war fix beim Lernen. So vergingen die Wochen, ich habe natürlich auch die Spaziergänge und den anderen Leuten mit Ihren Hunden genossen. Mir ist aufgefallen, dass die Leute nicht mehr von meiner Gehbehinderung abstand hielten. Nein, Sie nahmen mich so wie ich war. Egal, ob nun eine Strecke nicht von mir gelaufen werden konnte wegen der Gehhilfen. Sie machten halt kehrt und wir gingen woanders lang. Auf einmal gehörte ich dazu. So habe ich doch gemerkt, dass man sich nicht verstecken braucht wenn man eine Behinderung hat.

Zur Mekky sind wir natürlich weiterhin zu Besuch gefahren. Ich glaube Sie hat diese Veränderungen an mir auch sehr schnell bemerkt. Wir haben uns einfach über alles mögliche unterhalten, aber im Mittelpunkt stand immer Alia.

So vergingen also die ersten Monate mit Alia. Wir hatten Sie ja als Familienhund geholt, doch in der kurzen Zeit hat sich herausgestellt, dass Alia mehr war als nur ein „Familienhund“. Sie hatte ein Talent welches mich veranlasste Alia noch mehr beizubringen.

Sie fing an mir Sachen, die mir runter gefallen waren aufzuheben und in die Hand zu geben. Das „in die Hand geben“ hatte Sie ja mit dem Ballspiel schon gelernt. Ich habe dazu auch immer wieder die gleichen Wörter gesagt, wollte einfach mal testen ob Sie auch die Dinge, die Sie aufheben sollte dem Wortlaut zuordnen konnte. Es war ein Anfang gemacht. Wer jetzt meint ich hätte nur den ganzen Tag damit verbracht Alia zu dressieren der irrt sich, ich wollte einfach nur testen ob wir auch soweit kommen könnten, dass Sie mir hilft.

Aber Sie hat auch schon mal Unsinn gemacht. Ich bin mal schnell unter die Dusche gehüpft, hatte jedoch vergessen die Tür zum Bad zu schließen. Alia gar nicht dumm stand dann mal eben mit mir unter der Dusche.

Solche Sachen eben. Ein Beispiel: Ich war mit Ihr und den Freunden spazieren im Schnee, den Schnee liebt Sie ja, na ja ich bin in ein Loch getreten und habe ganz dezent eine Judorolle gemacht, Alia fand Sie müsste es auch machen, lag halb auf mir und schlabberte mir durch das Gesicht. Unsere Freunde fanden das sehr komisch!

Alia hatte bei Ihrem Unterricht immer begeistert mitgemacht. Es ging dann dazu über, dass sie mir beim Schuhe und Socken ausziehen helfen sollte. Gar nicht so einfach, da Sie doch nur mit Überredung dazu bereit war an etwas von mir zu zerren. Aber nach vielen Übungen klappte es dann doch noch.

Was ich Ihr nicht anerzogen habe, ist Ihre Wachsamkeit, ihr Bestreben mich zu beschützen. Aber die Wachsamkeit ist da.

Es war mal wieder abends und wir wollten noch eine Runde drehen. Ich gehe also mal wieder Gedankenverloren mit Alia durch die Gegend, da kam ein Typ aus dem Gebüsch und hat mir eine verpasst. Alia war ja an der Leine, die habe ich vor Schreck fallen lassen. Sie ist direkt und ohne eine Vorwarnung oder einem Kommando von mir auf den Typen los, hat ihn angesprungen und hat zugebissen.

Ich war wie erstarrt. Der Typ ist dann weggerannt. Zwei Stunden später rief mich ein Bekannter an, er ist Polist, und sagte mir, dass gegen mich Anzeige erstatte wurde. Er hat mich dann gefragt was passiert sei. Ich habe es Ihm erzählt. Darauf hat er gesagt, dass ich Anzeige gegen den Typen stellen sollte, ich habe das auch getan. Ich war auch beim Arzt gewesen und konnte damit meine Anzeige untermauern. So hat Alia mich beschützt, ohne dass ich es mit Ihr trainiert habe. Ich liebe meinen Collie!

Wir haben dann unsere Übungen weiter gemacht. So ist es auch noch heute, ich wiederhole die Übungen immer wieder mal. Belohnt wird Sie dann mit dem Ball, das ich mich mit Ihr schon mal auf die Erde lege mit Ihr tobe, halt irgendwelchen Unfug anstellen den sie gerne hat.

Auf meinem Geburtstag hat Sie auch wieder so ein Ding gebracht.

Ich habe noch geschlafen, war ja sehr spät geworden. Tja, ich habe nicht gehört, dass auf meinem Handy eine SMS gekommen ist. Alia ist ja gar nicht dumm und hat mir das Handy neben mich auf das Kopfkissen gelegt. Bei der nächsten Erinnerung stand ich senkrecht im Bett und war hellwach. Happy war Sie darüber, hat richtig gegrinst. Ich sag es ja immer wieder ... mein Collie kann denken.

Geschichte wird fortgesetzt ...